Sehenswertes in der Reichsburg Hayn in der Dreieich
Burgbrücke
Die ehemalige Zugbrücke wurde 1783 in ihrer heutigen Gestalt umgebaut. Am Ende der Brücke sind auf der Nordseite Teile des 1790 abgetragenen, ehemals zweistöckigen Burgtores erhalten. Auf der Südseite wurden 2003 weitere Reste des Torbaues freigelegt. Im Mittelalter wurden auf der Burgbrücke die Wildhübner des kaiserlichen Bannforstes Dreieich belehnt.
Kräutergarten
Der Kräutergarten wurde 1984 von Mitgliedern des Geschichts- und Heimatvereins angelegt. Als Grundlage für die Auswahl der Pflanzen dienten die Landgüterverordnung „Capitulare de Villis“ von Karl dem Großen (der Sage nach Erbauer der Burg) und das naturheilkundlich Werk der Heiligen Hildegard von Bingen. Angepflanzt wurden Nutz- und Heilkräuter, Färberpflanzen und Blumen. Sie dienten den Burgbewohnern einstmals als Naturheilmittel oder zur Herstellung von Liebes- und Zaubertränken. Manche der Pflanzen sind heute vom Aussterben bedroht. Mitten im Kräutergarten hat der Geschichts- und Heimatverein 1984 das quadratische Fundament eines Gebäudes des königlichen Jagdhofes (10.Jh.) freigelegt und rekonstruiert.
Bergfried
Der Bergfried wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Stil eines französischen Donjon von den Herren von Hagen-Münzenberg errichtet. Er bewährte sich nicht nur als Machtsymbol sondern auch als letzter Zufluchtort der Burgbewohner. Deshalb befindet sich der ursprüngliche, noch heute sichtbare Zugang in sechs Metern Höhe. Mit einem Durchmesser von über 14 Metern zählt er zu den größten Bergfrieden, die jemals in Deutschland erbaut wurden. In den Jahren 1792/93 wurde der Bergfried bis zur heutigen Höhe abgetragen. Im Innern beeindruckt das sechzehneckige Gewölbe des ehemaligen Verlieses. Dieser Raum dient heute als Standesamt, kann aber auch für Veranstaltungen angemietet werden.
Palas
Den Palas errichteten die Herren von Hagen-Münzenberg um 1180 als repräsentatives Wohngebäude. Unter den Herrn von Falkenstein erfolgte nochmals eine Erweiterung nach Osten und Süden. In den Jahren 1792/93 wurden vorgelagerte Zwingermauern für den Chausseebau abgebrochen. 1802 stürzten erste Teile des Palas ein. 1881 begann der Geschichts- und Heimatverein mit Sanierungsarbeiten, die bis heute anhalten. Im Erdgeschoß sind die Küche mit dem gemauerten Herdsockel, eine Speisekammer und der zentrale Fest- und Speisesaal mit gut erhaltenen Pfeilersockeln zu erkennen. Die im Original erhaltenen romanischen und gotischen Kellergewölbe dienen heute kulturellen Veranstaltungen, können aber auch für private Anlässe gemietet werden. Während des Burgfestes nimmt der romanische Keller den Phantastischen Markt auf. In der Ruine finden eine Taverne, mittelalterliche Verkaufsstände und die Marktbühne Platz.
Römischer Grabstein
Im Eingang des Palas hat der Geschichts- und Heimatverein unter dem Rest eines gotischen Kreuzgewölbes die Kopie eines römischen Grabsteines (Original im Dreieich-Museum) aufgestellt. Der Grabstein ist dem Römer Quintius Liberalis gewidmet und stammt aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts. Das christliche Kreuz im unteren Bereich läßt vermuten, daß dieser Grabstein im ersten Jahrtausend als Altarstein Verwendung fand. Nach einem Bericht von Matthäus Merian aus dem Jahr 1655 diente dieser Stein als Zinnenstein auf der Turmhügelburg. 1605 wurde er herausgebrochen und ebenerdig aufgestellt. Die Bergung dieses Grabsteins gilt als eines der ältesten Beispiele für Denkmalschutz in Deutschland.
Kirchhof
Im 12. Jahrhundert entstand zwischen Palas und Burgkriche ein kleiner Friedhof für die Bewohner der Burg. Zur Erinnerung an die frühere Verwendung ließ der Geschichts- und Heimatverein 1985 zwölf historische Grabsteine restaurieren und in diesem Bereich aufstellen. Der älteste Grabstein der Pfarrerstochter Eva Koch stammt aus dem Jahr 1571. Der jüngste Grabstein erinnert an den 1777 verstorbenen Pfarrer Gottlieb Friedel. Neben dem Seiteneingang der Burgkirche ist noch heute im Mauerwerk die Pforte zum Friedhof zu erkennen. In diesem Bereich findet während des Burgfestes ein Teil des Kinderprogramms statt.
Burgkirche
Die Burgkirche wurde in ihrer heutigen Form in den Jahren 1710 bis 1718 errichtet, nachdem der Vorgängerbau 1669 abgebrannt war. Sie geht auf eine ottonische Kapelle aus dem 10. Jahrhundert zurück. In dieser Kapelle beteten nicht nur die Bewohner des königlichen Jagdhofes sondern auch die Könige des Heiligen römschen Reiches, wenn sie zur Jagd im heutigen Dreieichenhain weilten. Die wertvolle Barockorgel aus dem Jahr 1791 stammt von der bekannten Orgelbauerfamilie Stumm. Von der ursprünglichen Originalausstattung blieb die Kanzel des Hainer Schreiners Aron Seitz erhalten. Während des Abschlußkonzertes kann man die barocke Atmosphäre der Burgkirche genießen.
Turmburg
Die Turmburg ist eigentlich ein zweite Burg in der Burg. Sie ist das älteste, zur Zeit sichbare Bauwerk der Burganlage, errichtet zwischen 1060 und 1080 neben dem königlichen Jagdhof. Sie ist die Stammburg der Herren von Hagen und ehemaliger Sitz der Vögte des kaiserlichen Bannforstes Dreieich. Um 1180 wurde die Turmhügelburg mit Errichtung der Reichsburg Hayn in der Dreieich als zweiter Bergfried in die großzügige Burganlage einbezogen. Die Turmhügelburg ist von großer Bedeutung für den europäischen Burgenbau. Sie gilt als die älteste, in aufwendigen Resten erhaltene Steinburg und besterhaltenste Turmhügelburg Deutschlands. 1750 stürzte die Turmhügelburg bis auf die noch erhaltene, 22 Meter hohe Westwand ein. Diese Westwand dient heute als Bühnenhintergrund der malerischen Freilichtbühne.
Schwarzpappel
Hinter der Turmhügelburg steht am Burgweiher eine sehr selten gewordene Schwarzpappel (Populus Nigra). In Europa wurde diese Schwarzpappel von der nordamerikanischen Pappel weitgehend verdrängt. Deshalb ist sie von dem Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der artgefährdeten Pflanzen.
Freilichtbühne
Vor der Turmhügelburg legten Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins 1925 die erste Freilichtbühne Hessens, die heute als eine der schönsten Deutschlands gilt, an. Im gleichen Jahr rief der Verein die „Burgfestspiele Dreieichenhain“, die überregional Dreieichhains Ruf als Festspielstadt festigten, ins Leben. Auf der Bühen finden heute im gesamten Jahresverlauf zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt. Die Freilichtbühne steht alljährlich auch im Mittelpunkt der mittelalterlichen Spektakuli auf Burg Hayn. Für das Feuerspektatkel bildet sie die optimale Kulisse.
Burggarten
Der Burggarten ist die historische Keimzelle von Burg und Stadt Hayn in der Dreieich (heute Dreieichenhain). Ausgrabungen belegen eine lückenlose Bebauung seit dem 9. Jahrhundert. Hier stand zunächst ein karolingisches Jagdhaus, gefolgt von einem ottonischen Königshof und mittelalterlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden der jeweiligen Burgherren. Ergraben wurde auch der Stadthof des ehemaligen Klosters Patershausen und eine kleine Lateinschule, an der der Reformator und Freund Luthers, Erasmus Alberus lehrte. Der Burggarten kann für Freiluftveranstaltungen in stilvoller Umgebung angemietet werden. Während des Burgfestes sind hier die Bewirtungsstände der Vereine und die Stände des Historischen Handwerkermarktes zu finden.
Burgbrunnen
Der Schacht des Burgbrunnens stammt noch aus der Erbauungszeit der Burg (12.Jh.). 1963 wurde auf den romanischen Brunnenschacht der Aufbau eines Ziehbrunnens aus dem Bereiterhof (Fahrgasse 53) gesetzt. Das Querstück trägt die Jahreszahl 1559.
Dreieich-Museum
Im Jahr 1909 gründete der Geschichts- und Heimatverein in der Altstadt eines der ältesten Heimatmuseen in Südhessen. Zwischen 1952 und 1960 errichteten Vereinsmitglieder in der vereinseigenen Burganlage das Museumsgebäude. Das heutige Landschaftsmuseum für die Landschaft Dreieich wurde 1959 in ein Kreismuseum umgewandelt. 2003 erfolgte mit der Einweihung eines modernen Anbaus der vorerst letzte Bauabschnitt mit weiteren Verwaltungs- und Ausstellungsräumen sowie dem Museumsbistro „Burgbeiz“. Wechselnde Sonderausstellungen, Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte, der Geschichte von Burg und Stadt Dreieichenhain, Exponate aus der Vergangenheit der Dreieich und die Darstellung des alltäglichen Lebens unserer Altvorderen machen das Museum zu einem attraktiven Anziehungspunkt. In den Ausstellungsräumen kann im Rahmen des Burgfestes verschiedenen Handwerkern über die Schulter geschaut werden.
Burgbeiz
Eingefügt zwischen historischen Mauern (12. und 18. Jh.) wurde das Museumsbistro und Vereinslokal des Geschichts- und Heimatvereins im Mai 2003 in den Dienst der Öffentlichkeit gestellt. Die Einbindung in den neuerbauten Museums-Anbau macht den Besuch der Burgbeiz zu einem Erlebnis. Der Kontrast zwischen Stahl, Glas und Rotliegendem, einem uralten Sandstein aus der Epoche des Rotliegenden, verleiht dem Gastraum ein einzigartiges Ambiente. An dieser Stelle der Burg gehen untergegangene Baustile eine elegante Symbiose mit der Postmoderne ein.
Rosenhecken und Rosenhag
1985 begann unter der Obhut des Geschichts- und Heimatvereins die Anpflanzung von über 100 historischen Rosensorten im gesamten Burggelände. Bemerkenswert ist neben dem Zugang zur Burg die Rosenhecke. Sie folgt dem ursprünglichen Verlauf der an dieser Stelle nicht mehr vorhandenen Burgmauer. Von Mai bis Juli zeigen sich die meist einmalblühenden Rosen von einer traumhaften Üppigkeit. Am Ende der Rosenhecke entfaltet sich der Rosenhag mit seinen Spalieren und Bögen. Einmalblühende, historischen Rosen wechseln sich hier mit modernen Dauerblühern ab. In der Mitte laden ein Tisch aus einem historischen Mühlenstein und eine Sitzbank zum Verweilen ein. Das gesamte Burggelände zählt inzwischen unter Fachkreisen zu den wichtigsten Rosengärten Deutschlands.
Burgmauer
Die Burgmauer entstand um 1180, als der königliche Jagdhof in eine ausgedehnte Reichsburg umgewandelt wurde. In einigen Abschnitten ist noch eine fischgratähnliche Mauertechnik zu erkennen. Diese ehemals römische Mauertechnik fand bis in das frühe Mittelalter Anwendung und deutet auf italienischen Einfluß bei der Erbauung hin. Der ehemalige Wehrgang ist zwischen Palas und Untertor noch gut erhalten.
Ludwig-Erk-Brunnen
Den Ludwig-Erk-Brunnen schuf der Bildhauer Wilhelm Fahrenbruch zur Einnerung an den Volksliedsammler Ludwig Erk. Der Brunnen wurde 1939 in der Altstadt aufgestellt und 1968 in den Burggraben versetzt, als der früher zum Schutz der Burg mit Wasser gefüllte Graben in eine Grünanlage umgewandelt wurde. Während des Burgfestes verschwindet der Brunnen zwischen den Ständen des Mittelalter-Marktes „Herrenborn“.
Weitere Informationen zur Reichsburg Hayn in der Dreieich finden Sie unter
» www.burg-hayn.de
